Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

daß sie heute das ganze Meistercffen die Geldprästazionendazu hatte der Gast drei Tage vorher Übermacht allein,ohne eine Erbküchenmeisterin beschicken mußte. Und über-haupt trägt der dritte Stand (sie war eine Kunstgärtnerin)allemal wie ein Rebhuhn die Schalen des Werkeltag-Eies,auö dem er sich hackt, noch unter der Vormittagkirche amSteiße herum.

Man kann sich denken, wie die herzensgute Mutter denganzen Morgen auf ihren Schulherrn mag gelauert haben," den sie liebte wie ihren Augapfel, da sie auf der ganzen vol-len Erde niemand weiter Mann und erster Sohn warengestorben für ihre in Liebe überquellende Seele hatte,niemand weiter als ihren Zebedäus. Konnte sie jemals ir-gend etwas von ihm erzählen, ich meine nur etwas Freudi-ges, ohne zehnmal die Augen abzuwischen? Verschnitt sienicht einmal ihren einzigen Kirmeßkuchen an zwei Bettel-studenten, weil sie dachte, Gott strafe sie, daß sie so schmause,Lndeß ihr Kind in Leipzig nichts zu beißen habe und an denKuchengarten nur wie an andere Gärten rieche?

Tausend! du bist's schon, Zebedäus!" sagte dieMutter und lächelte verlegen, um nicht zu weinen, als derSohn, der sich unter dem Fenster weggeduckt und an diemit Grummet gepolsterte Thür nicht angeklopft hatte, plötz-lich eingetrcten war. Sie konnte vor Vergnügen den Plätt-stein nicht in die Plätte schütteln, da der vornehme Schul-mann sie unter dem lauten Sieden des Bratens zärtlich aufdie nackte Stirn küßte und gar Mama sagte welcherName sich an sie so weich anlegte wie ein Herzkissen. AlleFenster waren offen und der Garten war mit seinem Blu-menrauche und Vögelgeschrei und Schmetterlingsammlungen

Jean Paul's ausgew. Wcrle. VII. g