Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

69

seiner Seele, wie im Traume oft Melodien vor den Men-schen kommen, der im Wachen keine schaffen kann.--

Der Tod und die Wonne drückten seine schwere Zunge:Rosamunde, warum sagst du nichts? Siehst du deinKind? Ich schaue hinüber über die lange Erde, bis dahinwo der Mond angeht: da flieget mein Sohn zwischen En-geln. Hohe Blumen wiegen ihn der Erden-Frühlingweht über ihn Kinder führen ihn Engel lehren ihnGott liebt ihn O, du Guter, du lächelst sa, das Silber-licht des Paradieses fließet ja himmlisch um deinen kleinenMund, und du kennst niemand und rufest deine ElternRosamunde gib mir deine Hand, wir wollen kommen undsterben." -

Die dünnen Körperfeffeln wurden länger. Sein ziehen-der Geist flatterte höher an den Gränzen des Lebens. Erfastete die Betäubte mit zuckender Kraft und lallete erblindendund sinkend: Rosamunde, wo bist du? Ich fliege ich sterbe wir bleiben beisammen.

Sein Herz zerriß, sein Geist entflog. Aber Nosamundeblieb nicht bei ihm, sondern das Schicksal riß sie auö dersterbenden Hand und warf sie lebendig auf die Erde zurück.Sie fühlte seine Hand an, ob sie todtenkalt sei: und da siees war, so legte sie sie sanft auf ihr Herz, fiel langsam aufihre brechenden Knie, hob ihr Angesicht unaussprechlich auS-geheitert gegen die Sternennacht hinauf, ihre Augen drangenaus den thränenleeren Höhlen trocken, groß und selig in denHimmel und schaueten darin ruhig nach einer überirdischenGestalt umher, die herunterfliegen und sie emportragcn werde.Sie wähnte fest, sie sterbe sogleich, und betete:komm' nun,Engel der Ruhe, komm' und nimm mein Herz und bring' eS