Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36

lichen Körper umhaben? Wenn dann nun die reichste besteSeele unter der Morgenröthe des Lebens mit dem unerwie-derten Herzen, mit versagten Wünschen, mit den ungesät-tigten verschmähten Anlagen eingesenket wird ins übcrmauerteBurgverließ der Ehe wobei sie freilich besonders von Glückzu sagen hat, wenn das Verließ keine tausendschneidigeOudlietta oder wenn gar der Mann ein sanfter Kanker ist,den die Bastille-Gefangne zähmen kann: so fühlt sich dieArme ungemein wohl dabei die goldnen Luft- und Zau-berschlösser der früher» Jahre erblassen bald und zerfallenunvermerkt ihre Sonne schleicht ungesehen über ihren be-wölkten und unterirdischen Lebenstag von einem Grade zumandern, und unter Schmerzen und Pflichten kommt die Dunklean dem Abend ihres kleinen DaseynS an und sie hat esnie erfahren, wessen sie würdig war, und im Alter hat siealles vergessen, was sie sonst in der Morgenröthe etwan habenwollte: nur zuweilen in einer Stunde, wo ein ausgegrabe-nes altes Götterbild eines sonst angebeteten Herzens, odereine wehmüthige Musik, oder ein Buch auf den Winterschlafdes Herzens einigen warmen Sonnenschein werfen, da regtsie sich und blickt beklommen und schlaftrunken umher undsagt:sonst war cS ja anders um mich her cs ist aberwol schon lange, und ich glaub' auch, ich habe mich damalsgeirrt." Und dann schläft sie ruhig wieder ein. . . .

Wahrlich, ihr Eltern und Männer, ich stelle diesesquälende Gemälde nicht auf, damit es der wunden Seele,der es gleicht, eine Thräne mehr abpresse, sondern euch zeig',ich die gemalten Wunden, damit ihr die wahren heilt undeuere Marterinstrumente wegwerft.

Wie mir setzt ist, und aus demselben Grunde, so war