Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368

Als er im Gasthof eintrat: sang eine Harfenistin, inBegleitung eines kleinen Flötenspielers, der Wirthsstube einLied vor, dessen Wiederkehr war: todt ist todt, hin ist hin.Es war dieselbe, die am h. Abend vor dem nencn Jahre, alsseine nnn zerstörte nnd gestillte Lcnctte mit der brechendenBrust voll Qualen, weinend und verlassen, ihr verzognesAngesicht ins Schnupftuch druckte, gespickt nnd gesungenhatte. O die heißen Pfeile der Töne zischten durch sein zer-stochncs Herz der Arme hatte keinen Schildich habeste damals sehr gemartert (sagt' er unaufhörlich), wie ficscnfzetc, wie sie schwieg! O wenn du doch mich jetzt sähstaus deinen Höhen, da du gewiß glücklicher bist; wenn dumeine vollgeblntetc Seele erblicktest, nicht damit du mir ver-gäbest- nein, damit ich nur den Trost hätte, deinetwegenetwas zu leiden o wie wollt'ich jetzt anders gegen dich sehn!"

So sagen wir alle, wenn wir die begraben, die wir ge-quäkt haben; aber an demselben Trauerabende werfen wirden Wurfspieß tief in eine andere noch warme Brust. O wirSchwächlinge mit starken Vorsätzen! Wenn heute die zerlegteGestalt, deren verwesende, von uns selber geschlagene Wundenwir mit reuigen Thräncn und bessern Entschlüssen abbüßcn,wieder neu geschaffen und jugendlich übcrblüht in unsere Mitteträte, und bei uns bliebe: so würden wir blos in den erstenWochen die wkdergefundnc, liebere Seele vergebend an unfernBusen, aber dann später sie doch wie sonst in die alten, schar-fen Marterinstrumente drücken. Daß wir dieses sogar gegenunsere lieben Verstorbenen thäten, sch' ich daraus die Härtegegen die Lebenden noch ungerechnet weil wir in denTräumen, wo uns die versnnkncn Gestalten wieder besuchen,gegen sie alles wiederholen, was wir bereuen. Ich sage