Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

344

mianS leere Hand er war von Natalien, die ihn, wie jeder,für den vorigen Heinrich ansah.

Theurer Lcibgcber!

Länger kann ich nicht über mein Herz gebieten, das jedenTag vor dem Ihrigen auseinander gehen oder zerspringenwollte, blos um Ihnen alles zu zeigen, was darin verwundetist. Sic waren ja doch einmal mein Freund: bin ich ganzvergessen? Hab' ich Sic auch verloren? Ach, gewiß nicht,Sic können nur vor Schmerz nicht mit mir reden, weil IhrFirmian an Ihrem Herzen starb und nun todtenkalt auf derschmerzenden Stelle ruht und zerfällt. O warum haben Sicmich beredet, Früchte, die ans seinem Grabe wachsen, anzu-uchmen, und mir jedes Jahr gleichsam seinen Sarg öffnen zulassen*)? Der erste Tag, wo ich's bekam, war bitter; bittererals je einer. Wie mir zuweilen ist, das sehen Sic aus einemkleinen Ncujahrwuusch, den ich an mich selber gerichtet, undden ich beilege. Eine Stelle darin geht einen weißen Nosen-stock an, dem ich im Zimmer einige blasse Rosen mitten imDezember abgewann. Mein Freund, nun geben Sie einerBitte Gehör, die der Anlaß dieses Schreibens ist, meinerheißesten Bitte um Schmerzen, um größere: daun Hab' ichTrost; zeigen Sie mir nur an, weil cS niemand weiter ver-mag, und ich niemand kenne, wie die letzten Stunden und Mi-nuten unserS Theuereu waren, was er sagte und was er litt,und wie sein Auge brach, und wie sein Leben aufhörtc; alles,alles was mich durchschneidcn wird, das muß ich wissen

Sic meint das Wittwengchalt.