343
und nicht später als den olympischen Sieger Euthymus*),dem ein Ausspruch des delphischen Orakels Opfer und Ver-götterung noch bei seinen Lebzeiten zuerkannte. Ich weiß nicht,welche Ohren die deutsche Fama's - Trompete lieber anbläset,ob taube oder lange. -—
Und doch bewahrte Siebenkäs mitten im EiSmonate sei-nes Liebe flehenden Herzens und in der Wüste seiner Einsam-keit noch eine lebendige prangende Blume — und dieß warNataliens Abschiedkuß. — O, wüßtet ihr, die ihr an unsrerUnersättlichkeit verhungert, wie ein Kuß, der ein erster und einletzter ist, durch ein Leben hindurch blüht, als die unvergäng-liche Doppelrose der verstummten Lippen und glühenden See-len, ihr würdet längere Freuden suchen und finden. JenerKuß befestigte in Firmian den Gcistcrbund und verewigte dieLiebe aus ihrem Blütcngipfel; die stillen Lippen sprachen fortvor ihm — das Geistes-Wehen von Hauch zu Hauch wehtefort — und so oftmals er auch in seinen Nächten hinter dengeschloffenen nassen Augen Natalien mit ihren erhabnen Schmer-zen von sich scheiden ließ und verschwinden in die dunkelnLaubengängc: so wurd' er doch des Abschieds und der Schmer-zen und der Liebe nicht satt.
Endlich nach sechs Monaten — an einem schönen Win-termorgcn, als die weißen Berge mit ihren schneekrystallencnWäldern sich gleichsam im Nosenblutc der Sonne badeten, undals die Flügel der Morgcnröthe länger ausgeschlagen sich aus dieblinkende Erde legten — da flog ein Brief, wie von Morgen-winden eines künftigen Lenzes früher Hergetrieben, in Fir-
l>lio. II. dl. VII. 18.