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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
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Thcilen seines Wesens etwas matt von ihnen herunter; seingeistiges Leben war jetzt eine Art von Pflegen und Liegen ineiner lauen Badwanne, ans welcher er nicht ohne Regenschauersich anfrichtcn konnte, und in welcher immer Warmes nachge-gossen werden mußte. Der Ehrcn-Punkt des Worthaltens unddas höchste Glück seiner Tochter waren die einzigen nnzerrisse-ncn Zügel, womit ihn das moralische Gesetz von jeher fcstge-haltcn, indes er andere Bande desselben mehr für Blumenket-ten und Pcrlenschnüre nahm, die ein Weltmensch so oft in sei-nem Leben wieder znsammenknüpft.

Da man sich leichter hinkend als gerade gehend stellenkann, so hatt' cs Sicbcnkäs hierin leichter, den lieben hinken-den Teufel, seinen Leibgcbcr, zu spielen. Der Graf stutzte blosüber seine natürliche weiße Schminke auf dem Gesicht und überseine Traucrmienc und über eine Menge unnennbarer Abwei-chungen (Varianten und Aberrazionen) von Leibgcbcr; aberder Inspektor half dem Lehnherren durch die Bemerkung ausdem Traum, daß er sich selber kaum mehr kenne und seineigner Wcchselbalg oder Kielkrops geworden sei, seit daß erkrank gewesen, und daß er seinen Univcrsitätfrennd SicbenkäSin Kuhschnappel habe cinschlafcn und ans der Zeitlichkeit gehensehen. Kurz, der Graf mußte glauben, was er hörte werdenkt an eine so närrische Historie, als ich hier auftrage?und wäre damals mein Leser im Zimmer mit dabei gestanden,so hätte er dem Inspektor mehr, als mir selber beigepflichtet,blos weil sich Firmian noch mehr von seinen vorigen Unter-redungen mit dem Grafen freilich ans Lcibgcbcrs Tagebuch cntsann als der Graf selber.

Indes, da er als der Gcschäftträgcr und Lchnträgcr sei-nes geliebten Heinrichs zu sprechen und zu handeln hatte: so

Jean Paul's ausgcw. Werke. IX. 22