336
Drei und zwanzigstes Kapitel.
Tage in Vaduz — Nataliens Brief — ein Ncujahrwunsch —Wildniß des Schicksals und des Herzens.
N^ir finden unfern Firmian, der nach seinem Abschiede ausder Welt, wie Offiziere nach dem ihrigen, höher gestiegen war— -— nämlich zum Inspektor — in der Jnspektorwohnungzu Vaduz wieder. Er hatte sich jetzo durch so viele verwach-sene Stechpalmen und Dornenhecken durchzuwinden, daß erdarüber vergaß, er sei allein, so ganz allein in der Welt. KeinMensch würde die Einsamkeit verwinden und dulden, wenn ersich nicht die Hoffnung einer künftigen Gesellschaft, oder einerjetzigen unsichtbaren machte.
Bei dem Grafen hatte er nichts zu scheinen als das, waser war; dann blieb er dem freien Lcibgebcr am ähnlichsten.Er fand in ihm einen alten Weltmann, der einsam, ohne Frau,Söhne, ohne weibliche Dienerschaft, seine grauen Jahre mitden Wissenschaften nnd Künsten — die längsten und letztenFreuden eines ausgenossencn Lebens — nachfülltc nnd schmückte,und der auf der Erde — den Spaß darüber ausgenommen —nichts mehr recht lieb hatte als seine Tochter, mit welcher ebenNatalie unter den Sternen nnd Blüten der Jugendtagc ge-schwärmt.
Da er in früherer Zeit alle Kräfte des Geistes und Leibesdaran gesetzt, nm die schlüpfrigsten und höchsten Cocagnebäumeder Freude zu erklettern und abzuleeren: so kam er mit beiden