Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

237

zerdrückenden Stampfmühlcn nnd die Gefühle seiner künftigenErlösung einander ab. Er dachte immer, er müsse sich wiedersorgen und grämen wie sonst weil er den offnen Himmelseiner Zukunft vergaß; so wie man sich nach einem schwerenTraume noch immer ängstigt, ob er gleich vorüber ist.

Als er aber die Wohnung seiner so lange verstummtenLenctte erblickte: verschwand alles aus seinem Auge und Her-zen, nnd nichts blieb darin, als die Liebe nnd ihre wärmsteThräne. Seiner Brust, die bisher jeder Gedanke mit Funkender Liebe voll geladen hatte, war das Band der Ehe zn einerAusladekctte vonnöthen!

O, reiß' ich mich nicht ohnehin so bald von ihr aufimmer ab und presse ihr irrige Thräncn aus, und gcb' ihr dieschwere Wunde der Trauer nnd eines Leichenbegängnisses? Wir sehen uns dann nie mehr, nie mehr, du Arme!"dacht' er.

Er lief eiliger. Er drängte sich mit zurückgckrümmten,nach den obern Fenstern blickendem Kopfe dicht an den Fen-sterladen seines Nebcn-Eommandcnr Mcrbitzer vorbei. Die-ser spaltete im Hause Sabbathholz, nnd Firmian winkte, ihndurch kein Schildwachcngcschrci zu vcrrathen; der alte Nebcn-Zaar winkte sogleich mit ansgcstrecktcn Fingern zurück, Lencttesei nämlich oben allein in der Stube. Die alten gewohntenRipicnstimmcn des Hauses, das zankende Gellen der Buch-binderin, der Sing-Dämpfcr des eifrigen Beters nnd FluchersFccht fiel ihm unter dem Hinanfschlcichcn der Treppe wie süßesFutter entgegen. Der abnehmende Mond seiner fahrenden Zinn-Habe glänzte ans der Küche ihm herrlich nnd silbern entgegen,alles war gescheuert aus dem Bade der Wiedergeburt gestiegen,eine kupferne Fischpfannc die so lange keinen Essig vergiftete,