Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
221
Einzelbild herunterladen
 

221

immer zu sich: jetzt wird sie von der Brittiu Abschied nehmen jetzt einsitzen jetzt vor dem Baum vorbcifahren, under wird ihr in die Zügel fallen. Er phautasirte sich in Träumehinein, die ihn mit einem peinlichen Wirrwarr und mit wie-derholten Versagungen seiner Bitte wund stießen. Wie vieletrübe Tage werden oft, im physischen und im moralischenWetter, von einer einzigen sternhellen Nacht geboren! End-lich träumte ihn, sie reich' ihm aus ihrem herrollcnden Wagendie Hand, mit weinenden Augen, und mit dem grünen Rosen-zweige vor der Brust, und sage leise:ich sage doch Nein!Würd' ich denn lange leben, wenn du gestorben wärest?"Sie drückte seine Hand so stark, daß er erwachte; aber derDruck währte fort, und vor ihm stand der Helle Tag, undsein Heller Freund, und sagte: 'Sie hat Ja gesagt; aber duhast fest geschlafen."

Bei einem Haare, erzählte er, hätt' er sie verpasset. Siewar mit ihrem Ankleiden und Abreisen schneller fertig gewor-den, als andere mit ihrem Auskleiden und Ankommen. Einbethauctcr Rosenast, dessen Blätter mehr stachen als seineDornen, lag an ihrem Herzen, und ihre Augen hatte derlange Abschied roth gefärbt. Sie empfing ihn liebreich undfreudig, obwol erschrocken und horchend. Er gab ihr zuerst,als Vollmacht, Firmians offnen Brief. Ihr brennendes Augeglühte noch einmal unter zwei großen Tropfen, und sie fragte:und was soll ich denn thun?"Nichts," sagte Leibgeber,künstlich zwischen Scherz und Ernst,Sie sollen blos leidendaß Sie von der preußischen Kasse, sobald ex gestorben ist,jedes Jahr an seinen Tod erinnert werden, als wären Sieseine Wittwe." Nein, sagte sie gedehnt mit einem Tone,hinter dem aber nur ein Komma austritt, und kein Punk-