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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
218
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übergossen von rothcr Wolken- nnd von weißer Blütcn-Schminke,vor sich schwanken nnd rauschen; aber ein Engel stand ansdem Himmel mit dem Schwerte eines funkelnden Wolkenstreissdavor nnd sagte: geh' hier nicht ein; kennst dn das Paradies,aus dem du gegangen bist?

Firmian kehrte um, lehnte sich im Helldunkel des Früh-lings an die Kalkwand des ersten Baireuthischen Hauses, umdie Wundenmalc seiner Augen auszuhcilen und vor seinemFreunde mit keinen Zeichen zu erscheinen, die vielleicht erst zuerklären waren. Aber Leibgeber war nicht da; jedoch etwasunerwartetes, ein Blättchen an diesen von Natalie. Ihr, dieihr's empfindet oder betrauert, daß immer und ewig eine Mo-sisdecke, ein Altargeländer, ein Gesängnißgitter aus Körperund Erde gemacht, zwischen Seel' und Seele gezogen ist, ihrkönnt es nicht verdammen, daß der arme, gerührte, einsameFreund ungesehen das kalte Blatt an den heißen Mund, andas zitternde Herz anpreßte. Wahrlich, für die Seele ist je-der Körper, sogar der menschliche, nur die Reliquie eines un-sichtbaren Geistes, und nicht etwa der Brief, den du küssest,auch die Hand, die ihn schrieb, ist wie der Mund, dessen Kußdich mit der Nähe einer Vereinigung täuschet, nur das sicht-bare von einem hohen oder theucrn Wesen geheiligte Zeichen,und die Täuschungen unterscheiden sich nur in ihrer Süßigkeit.

Leibgeber kam an, riß es auf, las es vor:

Morgen um 5 Uhr liegt Ihre schöne Stadt hinter mei-nem Rücken. Ich gehe nach Schraplau. Ich hätte nicht,o theucrer Freund, aus diesem holden Thale weichen können,ohne noch einmal vor Sie mit der Versicherung meiner läng-stcn Freundschaft, nnd mit dem Danke und Wunsche der Jh-rigen zu kommen. Ich würde gern von Ihnen aus eine