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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
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zwar so anfühlt wie Qucllwasser und so fließt und so schim-mert, und das dock nichts ist als kalt, trocken und schwer.Gerade die Menschen, denen die Natur die meisten Geschenkegemacht hat, und die also andern keine abzufordern, sondernblos zu crtheilen hätten, begehren, gleich Fürsten, desto mehrvom Nebcnmenschcn, je mehr sic ihm zu geben haben undje weniger sie es thuu. Gerade zwischen den ähnlichstenSeelen sind die Mißhclligkciten am peinlichsten, wie Mißtönedesto härter kreischen, je näher sie dem Einklänge sind.Man vergibt ohne Ursache, weil man ohne Ursache zürnte;denn ein gerechter Zorn müßte ein ewiger sehn. Nichts be-weiset die elende Unterordnung unserer Vernunft unter unsereherrischen Triebe so ausfallend, als daß wir unter den Heil-mitteln gegen Haß, Kummer, Liebe u. s. w. die bloße platteZeit aufstcllcn die Triebe sollen virgessen oder ermü-den, zu siegen> die Wunden sollen unter dem Markgrafcn-odcr sympathetischen Pulver des Flugsandes in der Sanduhrder Zeit versanden. Gar zu jämmerlich! Was hilftaber alles und am Ende mein Klagen?"

Die Sache ist" antwortete der Helle sanfte Professor,in dessen Kolorite nur einige pedantische Tuschen gebrauchtsinddie Gefühle der Menschenliebe*) helfen nichts ohne

3m ganzen Aufsatze ist nicht von der praktischen Menschen-und Feindes-Licbe, die sich durch Thaten und durch Ent-halten von Rache äußert und die keinem Rechtschaffenenschwer sepn kann, sondern von den misanthropischen und phil-anthropischen Gefühlen die Rede, worüber die bloße Moralwenig vermag, von der inner» Liebe ohne Thaten, von derpeinlichen geheimen Entrüstung über Sünder und Thoren.