Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

durch einen feierlichen Ton nm mehre Tage, vielleicht Wochenbehauptet.

Sie sperrte, ohne ihn weiter anzusehcn, ein Kästchen aufund schlichtete Briefe zusammen. Er sagte 100 Dinge, umihr zu schmeicheln und zu gefallen: sie antwortete nicht ein-mal. Sein Inneres geiferte, weil er alles den beiden Advo-katen schuld gab. Endlich wollt' er die Taubstumme in seiner-zornigsten Ungeduld zugleich demüthigcn und bekehren, indemer sagte:ich weiß nur nicht recht, was Ihr Herr Onkel inKuhschnappel dazu sagen wird; er scheint mir auf meine Gesin-nungen gegen Sie einen viel größer» Werth zu legen, alsSic hier; ja er hält unser Vcrhältniß für Ihr Glück , so noth-wcndig, als ich für meines."

Diese Bürde fiel zu hart ans einen vom Schicksal ohne-hin tief zerritzten Rücken. Natalie schloß eilig das Kästchenzu, und setzte sich und stützte ihr taumelndes Haupt auf denbebenden Arm, und vergoß glühende Thräncn, die die Handumsonst bedeckte. Denn der Vorwurf der Armuth führet auseinem sonst geliebten Munde wie glühendes Eisen ins Herzund trocknet cs mit Flammen ans. Rosa, dessen gelöschte Rach-sucht der durstigen Liebe wich, und der in selbsüchtigcr Rüh-rung hoffte, sic sei auch in einer über ein zertrenntes Band,dieser warf sich vor sie auf die Knie und sagte:es sei allesvergessen! Worüber entzweien wir uns denn? Ihre köstlichenThräncn löschen alles aus, und ich mische die mcinigcn reich-lich darein."

Oh! (sagte sic sehr stolz, und stand auf und ließ ihnknien) ich weine über gar nichts, was Sie angcht. Ich binarm, aber ich bleibe arm. Mein Herr, nach dem niedrigenVorwürfe, den Sie mir gemacht haben, können Sie unmög-