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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
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Nasenbluten dieses Lebens bald die gute galenische Ader-laß*) verordnen werde. Ich will es deswegen nicht geradehaben; mich kann im Gcgcntheil einer ärgern, der verlangt,das Schicksal soll ihn, wie eine Mutter das Kind da wirin Leiber eingcwindelt, und die Nerven und Adern die Wik-kelbänder sind sofort ausbindcn, weil cs schreiet undeiniges Leibrcisicn hat. Ich würde noch gern einige Zeit einWickelkind unter Strickkindern**) bleiben, zumal da ich be-sorgen muß, daß ich in der zweiten Welt von meinem satiri-schen Humor geringen oder keinen Gebrauch werde machenkönnen; aber ich werde fort müssen. Wenn aber dieß gesche-hen ist: so möcht' ich Dich wol bitten, Heinrich, daß Dueinmal hieher in den Rcichsflecken rcisetcst und Dir das stilleGesicht Deines Freundes, der kaum das Hippokratische***)mehr.wird machen können, ausdcckcu ließest. Dann, meinHeinrich, wenn Du das fleckige graue Ncumondgesichtlauge ansichst und dabei erwägst, daß nicht viel Sonnenscheindarauf fiel, nicht der Sonnenschein der Liebe, nicht desGlücks, nicht des Ruhms: so wirst Du nicht gen Himmelblicken und zu Gott sagen können:und ganz zuletzt, nachallen seinen Bekümmernissen hast du ihn, lieber Gott, garvernichtet und hast ihn, als er im Tode die Arme nachdir und deiner Welt ausstrcckte, so breit entzwei gedrückt,als er noch hier liegt; der Arme."" Nein, Heinrich, rvenuich sterbe, so mußt Du eine Unsterblichkeit glauben.

*) So heißet eine bis zur Ohnmacht getriebene.

-*») So heißen die vom heimlichen Gericht Berurtheilten.

***) Das Hippokratische nennt man das verzogene in der Sterb-stunde.