Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

89

und seinen Erd-Fußstoß geglaubt, bis Abends der Pelzstiefelsich frei erklärte, die Meinung sei gottlos; dann fiel sie vomprophetischen Superintendenten ab und dem ungläubigen Welt-kind Firmian bei. Wir wissen alle, er hatte so gut männ-liche Launen, die immer die Konsequenz übertreiben, wiesie weibliche, die in der Inkonsequenz zu viel thnn. Eswar also thöricht, daß er eine durch so viele kleine Gall-Er-gießungen erbitterte Freundin durch eine große Herz-Ergicßnngwieder zu gewinnen hoffte. Die größte Wohlthat, die höchstemännliche Begeisterung reißen keinen mit tausend kleinen Wur-zclsascrn im Herzen herumkricchenden Groll auf einmal heraus.Die Liebe, um die wir uns durch ein anhaltendes Erkältenbrachten, können wir nur durch ein so anhaltendes Erwärmenwieder sammeln.

Kurz nach einigen Tagen zeigt' cs sich, daß alles blieb,wie cs vor drei Wochen war. Die Liebe Lcncttens hatte durchStiefels Entfernung so zugenommen, daß sic nicht mehr mitihren Blättern unter der Glasglocke Platz hatte, sondern schonins Freie wuchs. Die ,4g>ia tollann der Eifersucht lies end-lich in alle Adern Firmians herum, und quoll ins Herz, undfraß cs langsam auseinander. Er war nur der Baum, in denLcncttc ihren Namen und ihre Liebe gegen einen andern ein-gezcichnet hatte, und der an den Schnitten verwelkt. Er hattean Lcncttens Wiegenfeste so schön gehofft, der zurückgernsneSchnlrath werde die größte Wunde schließen oder bedecken:und gerade erzog sie wider Wissen immer weiter auseinander;aber wie wehe that dieß dem armen Gatten! So wurd' ernun innen und außen ärmer und kränker zugleich und gabdie Hoffnung verloren, den Iten Mai und Baireuth zu sehen.Der Februar, der März und der April zogen mit einem gro-