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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
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den wieder ein entfärbter durchschnitt*). Wunderlich fingendie Farbengcstirne über sein Herz zn regieren an und machtenes so wehmüthig, als sah' er droben sein halbfarbigcs, blei-ches, zerstücktes Leben nachgespielt oder nachgespiegelt. Denndem bewegten Menschen ist die Natur stets ein großer Spie-gel voll Bewegungen; nur dem satten und ansruhenden ist sieblos ein kaltes todtes Fenster für das Aenßcrc.

Als er Nachmittags einsam in der Stube war, als derfrohe Kirchcngesang und der benachbarte frohe Kanarienvogcl-schlag gleichsam wie das Getöse und Poltern lebendig begra-bener Jahre der Freude seine matte Seele überfiel undals ein Heller magischer Sonnenschein seine Stube durchschnitt,und als dünne Wolkcnschatten über den lichten Ausschnitt derDiele wcgglitten und das kranke, stöhnende Herz mit tausendtraurigen Achnlichkciten fragten: ist nicht alles so? entfliehennicht deine Tage, wie Dünste durch einen kalten Himmel, übereine todte Erde und schwimmen hin in die Nacht: somußt' er sein schwellendes Herz mit der sanften Schneide derTonkunst öffnen, damit die nächsten und größten Tropfen desSchmerzens daraus flössen er griff einen einzigen Drei-klang auf dem Klavier, und griff ihn wieder, und ließ ihn»erwogen- wie die Wölkchen flogen, starben die Töne aus,der Wohllaut schwang sich träger, zitterte nach und wurdestarr, und die Stille stand da, wie ein Grab. Im Horchenstockte sein Athmcn und sein Herz, eine Ohnmacht griff nach seinerSeele und nun, und nun warf in dieser schwärmerischenkranken Stunde der Strom des Herzens so wie Ucber-

*) Ganz dieselbe Erscheinung bemerkte wieder der Verfasserdieses in Baircuth den 19ten Jänner 18t7.