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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
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Weh wurde dem traurigen Firmian auf der gelben Brand-stätte der Natnr nms Herz. Die täglich wicdcrkommcndc Stär-kung seines Herz- und Pulsschlages schien ihm jenes Stille-stehcn und Verstummen des Gewittcrstürmers in der Brust zusehn, das ein nahes Ausdonnern und Zerrinnen der Gewitter-wolke des Lebens ansagt. Er schrieb das Stottern seinesUhrwerks einem zwischen die Räder gefallenen Pflock, einemHerzpolypcn zu; und seinen Schwindel dem Anzuge des Schlag-flnsscs. Heute war der 365ste Akt des Jahrs und sein Vor-hang war im Nicderfallen; was könnt' ihm dich anders zu-sührcn, als düstere Vergleichungen mit seinem eignen Epiloge,mit dem Wintersolstizium seines abgekürzten verschätzten Le-bens? Das weinende Bild seiner Lenette stellte sich jetzovor seine vergebende, wegziehendc Seele; und er dachte:siehat wol nicht Recht; ich will ihr aber nachgcben, weil wir dochnicht lange mehr beisammen wohnen. Ich gönn' ihr's gern,daß meine Arme vermodernd von ihr fallen, und daß ihr Freundsie in seine nimmt."

Er stieg auf 5as Blut- und Traucrgerüstc, auf dem sciuFreund Heinrich seine Umarmungen 'geendigt hatte. Von die-ser Höhe eilten seine Blicke, so oft sein Herz zu schwer wurde,dem Wege Leibgebers bis an die Berge nach; aber heute wur-den sie feuchter als sonst, weil er nicht den Frühling wiederzu sehen hoffte. Diese Höhe war der Hügel, auf den der Kai-ser Hadrian den Juden jährlich zweimal zu steigen erlaubte,damit sic hinüber nach den Trümmern der heil. Stadt blickenund das beweinen könnten, was sic nicht betreten durften*).

*) Nach Justin; S. Bastholms jüdische Geschichte, aus demDänischen 1785.