277
Julienne that bange Fragen der Verwunderung; sie gabkeine Antwort darauf. „Jst's ein Unglück zwischen dir undmeinem Bruder?" fragte Julienne, in welcher die Verwandt-schaft immer wärmer sorgte als die Freundschaft. „Erwartenur den Ritter (antwortete sic), ich Hab' ihn hcrbittcn lassen."
Er trat eben herein. Sie bat ihn, sich in diese kurzeNacht zu fügen. Nach einigem Schweigen stand sic stolz vomStuhle auf, die schwarzgekleidete lauge Gestalt hob vor demRitter, den sie nicht sah, die großen Augen gen Himmel, ihrstolzes Leben, bis jetzt ins Leichentuch gewickelt, schlug dasTuch zurück und stand blühend von Todtcn auf und sie redeteden Ritter an: „verehrter Gaspard, Sic versprachen es mir,so wie auch mein Vater, daß dieser an meinem Hochzcittagemir erscheinen werde. Der Tag ist vorbei. — Ich bin eineWittwe. Nun erschein' er mir."
Hier unterbrach sic der Ritter: „vorbei? — O, ganzrecht! Ist er denn etwas geschcidtcrcs und sittlicheres als einMensch?" — und spottete wider seine Weise zornig-aufglü-hend, weil er glaubte, von Albano, dem er so lauge vertrauet,sei die Rede.
„Sie verkennen mich (sagte Linda), ich spreche von ei-nem Verstorbenen." Vor Julienne fuhr plötzlich RoquairolsSchatte, ferne Anklängc der Fürstin hatten ihn eingcläutct:„Allmächtiger Gott, (schrie sie aus) des verfluchten Selbstmör-ders Spiel hat Wahrheit?" — „Er spielte, was geschah(sagte Linda ruhig). Wir brechen ab. Ich reise. Ich ver-lange nichts als meinen Vater." — Hier hielt Gaspard denvon Starrsucht versteinerten Arm wie von einem gezücktenDolch bewaffnet, gegen die Gräfin — die Finstcrniß machtedie Erscheinung schwärzer und wilder — aber er brach das