236
Wissens von dicken Wolken umzogen. Linda weinte zitterndund glühend an seiner Brust. „Sei mein guter Genius,Albano!" sagte sie. — „Und dein böser; aber nenne michnur ein cinzigesmal Karl" sagt' er voll Wuth. „O heißedenn Karl, aber bleibe mein voriger Albano, mein heiligerAlbano!" sagte sic. —
Plötzlich fingen im Thal die Flöten an, die der frommeVater zu seinen Abendgebeten spielen ließ. Wie Töne aufdem Schlachtfeld, riefen sie den Mord heran — da schmolzLinda's goldncr Thron deS Glücks und Lebens glühend niederund sic sank herab und das weiße Brautkleid ihrer Unschuldwurde zerrissen und zu Asche.
„Nun die deinige bis in meinen Tod!" sagte sic leisemit Thränenströmcn. „Nur bis in meinen" sagte er undweinte jetzt weich mit den weinenden Flöten. An der goldnenKugel auf dem Berge glomm schon der Mond, der wie einbewaffneter Komet, wie ein einäugiger Riese heraufdrang, denSünder aus seinem Eden zu jagen. „Bleibe, bis der Mondkommt, damit ich in dein Angesicht sehe" bat sie. „Nein, duGöttliche, mein Frcudcnpferd wiehert schon, die Todesfackelbrennt herab in meine Hand" sagte er tragisch-leise. DerSturm war vom Himmel auf die Erde gezogen; sie fragte:„der Sturm ist so laut, was sagtest du, Schöner?" — Erküßte wild ihre Lippe und ihren Busen wieder; er konnte nichtgehen, er konnte nicht bleiben: „gehe morgen nicht (sagt' er)in den Traucrspiclcr, ich flehe dich, das Ende, hör' ich, ist zuerschütternd."
„Ich liebe ohnehin dergleichen nie. O bleibe, bleibelänger, ich sch' dich ja morgen wieder nicht." Er preßte siean sich — deckte ihre Augen mit seinem Angesicht zu — das