drehte der Mann mit einem rostigen Schlüffe! ein eingerostetesSchloß auf. Sie traten inS bestaubte hclldunkle leere hoheZimmer, worin eine leere Wiege, ein Blumentopf mit einemgleich seiner Erde vertrockneten finefischcn Roscnstöckchen, eineKindcr-Zinn-Uhr, eine weibliche Spiel-Küche mit altmodischemGeschirr, eine gerollte glänzende Klavicrsaitc, ein deutscherKalender von 1772, viele schwarze Siegel mit bloßen antikenKöpfen, ein ausgetrocknetcr Lianenzwcig und dergleichen ver-loren umher lag. Der Mensch sicht bewegt in die tiefe Zeithinunter, wo seine Lcbcnsspindcl fast noch nackt ohne Fadenumlief; denn sein Anfang gränzt näher als die Mitte an seinEnde, und die ans- und cinschiffcndc Küste unscrs Lebenshängt ins dunkle Meer. Albano wurde wehmüthig angeregtvon der Umgebung und von dem Blicke ans das Menschen-leben und ans seine eignen grünen noch winterlich-niedrigstehenden Felder hinaus — und von der Stätte, wo er miteiner Mutter und Schwester gelebt, die aus der Erde, ja so-gar ans seiner Phantasie entwichen waren. — Er nahm dieZinn-Uhr zu sich und sagte: „gibt es für das Alter, daskeine Zeit, sondern eine Ewigkeit hat, eine bessere Uhr alsdie mit dem Zeiger ohne Gehwcrk.
Ucberrascht wurde Linda, als sie von einem Glaskästcheneinen Vorhang wegzog und als ein engelschönes Kind vonWachs darin in die Hellen Augen Licht bekam. „Es ist dietodte Severina," sagte Albano eilig, mit dem rauhen Bei-wort „todt", was Linda nicht gern litt. Immer mehr wnrd'ihm in der Helldunkeln Stube unheimlich — ein Sonnenstrcifbrannte seltsam durch das hohe Fenster herab — beseelterauferstandner Staub spielte in ihm — die Geister der Schwesterund Lianens konnten jede Minute durch das Erdenlicht blitzen