127
nichts gegen diesen vollen Lorbccrkranz. Es gibt eine himm-lische Unergründlichkcit, die den Menschen göttlich nnd dieLiebe gegen ihn unendlich macht; so ließen die Alten dieFreundschaft die Tochter der Nacht nnd des Erebus seyn.Wenn Albano so über den weiten reichen Geist Liuda's hin-sah — sie, zugleich ihrer Liebe lebend, und jede fremde be-schirmend und doch gleichsam vom Wissens-Durste trunken —zugleich ein Kind, ein Mann und eine Jungfrau — oft hartund kühn mit der Zunge, für und gegen Religion und Weib-lichkeit und doch voll der zartesten kindlichsten Liebe gegenbeide — glühend zerschmelzend vor dem Geliebten und schnellerstarrend bei kaltem Anrührcn — ohne alle Eitelkeit, weil sieimmer vor dem Throne einer göttlichen Idee stand und derMensch nie eitel ist vor Gott, aber sich alles zutrauend undvor niemand demüthig, ohne doch sich oder andere zu ver-gleichen — voll männlicher kecker Aufrichtigkeit und voll Ach-tung für Gewandtheit und listigen Welt-Verstand — so ohneEigennutz und kindlich über Frohe froh, ohne besondere Sorgeund Achtung für Menschen — so unbeständig und ««biegsam,jenes im Wünschen, dieses im Wollen — aber ewig ihr Augeund Leben gegen die Sonne und den Mond des geistigenReichs, gegen Würde und Liebe gerichtet, gegen das eigne nndgegen ein geliebtes Herz: — wenn Albano das Alles vor sichspielen und weben sah, so lebt' er gleichsam auf dem einfachennnd doch unabsehlichcn, dem beweglichen und doch allgewalti-gen Meere, dessen Gränze blos der klare Himmel ist, derkeine hat.
An dem Himmel der drei Liebenden erschien endlich dieMorgcnröthe des Reise-Tages. Es wurde von beiden Freun-dinnen bestimmt, daß Albano sie nur bis Neapel, wo ihre