wenn einmal ein seltener Mensch einen ganzen Willen hat undkeinen halben und auf seiner Kraft beruht und nicht wie einSchalthicr sich an jedes andere klebt: so heißet er kalt. Istdie Sonne in der Nähe nicht auch kalt?" — „Der Tod istkalt (rief Albano sehr bewegt, weil er oft selber mehr Kraftals Liebe zu haben glaubte), aber eine erhabene Kälte, eineerhabene Qual kann cs wol geben, die mit Adlersklaue dasHerz in die Höhe entführt, aber cs zerreisiet mitten im Him-mel und vor der Sonne."
Sie sah ihn groß an: „Ihr sprecht ja wie ein Weib (sagtesie); das allein hat ohne die Macht der Liebe nichts zu wollenund zu thun; aber es war artig." — Dian, zu allgemeinenBetrachtungen verdorben und nur zu individuellen tüchtig, un-terbrach sie mit Fragen über einzelne Kunstwerke in Neapel;sie theiltc sehr offen ihre cigcnthümliche Ansicht mit, obwolziemlich entscheidend. Albano dachte zuerst an seinen zeichnen-den Freund Schoppe und fragte nach ihm: „bei meiner Ab-reise (sagte sic) war er noch in Pestitz, ob ich gleich nicht be-greife, was ein so ungemeines Wesen da will —- cs ist eingewaltiger Mensch, aber verworren und nicht klar. Er ist sehrIhr Freund." — „Was macht (fragte Dian halb scherzend)mein alter Gönner, der Lektor Augnsti?" — Sic antwortetekurz und fast über dessen vertrauliches Fragen empfindlich:„es geht ihm gut am Hofe." — „Wenigen Naturen (wandtesie sich, über Augnsti fortfahrcnd, an Albano) geschieht so vielUnrecht des Urtheils als solchen einfachen, kühlen, konsequen-ten wie der sinnigen." Albano konnte nicht ganz Ja sagen;^ aber er erkannte in ihrer Achtung für die fremdeste Eigcn-thümlichkcit froh die Schülerin seines Vaters, der ein Gewächsnicht nach der glatten oder rauhen Rinde, sondern nach der