Jüngling lange angcblickt, wandte sie sich nach dem Mondeüber dem Vesuv.
Aber Albano war von einem Gott erschüttert nnd voneinem Wnnder geblendet; er sah hier Linda de Romciro. Alssie den Schleier hob, strömte Schönheit und Glanz ans einerausgehenden Sonne; zarte jungfräuliche Farben, liebliche Li-nien und süße Fülle der Jugend spielten wie ein Blumenkranzum eine Göttcrstirn, mit weichen Blüten um den heiligenErnst und mächtigen Willen auf Stirn und Lippe, nnd umdie dunkle Glut des großen Auges. Wie hatten die Bilderüber sie gelogen nnd diesen Geist und dieses Leben so schwachausgesprochen!
Als wollte die Zeit die glänzende Erscheinung würdigumgeben, so schon spielten Himmel und Erde mit allen Ska-len des Lebens in einander — licbesdurstig flogen Sternewie Himmelsschmetterlinge ins Meer — der Mond war überdie ungestüme Erdflamme des Vesuvs weggczogen und bedecktemit seinem zarten Licht die frohe Welt, das Meer und dieUfer — der Epomco schwebte mit seinen versilberten Wäldernund mit der Einsiedelei seines Gipfels hoch im Nacht-Blau -darneben lebten die singenden, tanzenden Menschen mit ihrenGebeten und ihren Fest-Raketen, die sie in die Höhe warfen.— — Da Linda lange über das Meer nach dem Vesuv ge-sehen: redete sie den stillen Albano, um seinem Ausruf zuantworten und ihr schnelles anblickendes Umwenden nach ihmgut zu machen, selber an: „ich komme vom Vesuv (sagte sie),aber er ist so erhaben in der Nähe als in der Ferne, was soselten ist." — Ganz fremd und geistermäßig klang cs ihm,daß er diese Stimme wirklich hörte. Mit sehr bewegter ver-setzt' er: „aber in diesem Lande ist ja alles groß, sogar dasJean Paul's ausgew. Werke. X-H. 0