bot. Albano nahm sie, aber der Kleine nickte unaufhörlich,als woll' er sagen, er möge doch daran riechen. Albano that's
— und plötzlich zog ihn die Theaterverftnkung des Lebens,ein bodenloser Schlummer, in die dunkle Tieft.
Als er belastet erwachte, war er allein und ohne seineWaffe, in einem alten bestäubten gothischcn Zimmer — einmattes Lichtlein strcnete nur Schatten umher — er sah durchdas Fenster — Lilar schien es zu scyn, aber auf die ganzeLandschaft war Schnee gefallen und der Himmel weiß bewölkt,und doch stachen sonderbar die Sterne durch. Was ist das,steh' ich im Larvcntanz der Träume, fragt' er sich.
Da ging eine Tapete ans — eine verhangne weiblicheGestalt mit unzähligen Schleiern auf dem Angesicht trat her-ein — stand ein wenig — und flog ihm an sein Herz. „Werist's?" fragte er. Sie drückte ihn heftiger an sich und weintedurch die Schleier hindurch. „Kennst du mich?" fragt' er.Sic nickte. „Bist du meine unbekannte Schwester?" fragt' er.Sie nickte und hielt ihn mit festen Schwesterarmen, mit heißenLicbcsthränen, mit ungestümen Küssen an sich fest. „Rede, wolebst du?" Sie schüttelte. „Bist du gestorben oder ein Traum?"
— Sic schüttelte. — „Heißest du Julienne?" — Sie schüt-telte. „Gib mir ein Zeichen deiner Wahrhaftigkeit!" — Siezeigte ihm einen halben goldnen Ring auf einem nahen Tisch.„Zeige dein Gesicht, damit ich dir glaube!" — Sie zog ihnvom Fenster weg. „Schwester, bei Gott, wenn du nicht lügst,so hebe die Schleier!" — Sie wies mit dem ausgcstrccktcnlangen umwickelten Arme nach etwas hinter ihm. Er bat immerfort, sie deutete heftig nach einem Orte hin und drückte ihnvon sich; endlich folgte er und kehrte sich seitwärts — Da saher in einem Spiegel, wie sie schnell die Schleier aufriß und