auf sich blickte und hier ihr Leben allein im dunklen Gewändestehen sah — drüben das leere Haus des Geliebten — hierdas ihrige, das auch leer für sic geworden — diese Stelle,die noch an eine schönere, seltnere Abblütc als des cermmsei'i,en8 erinnerte — und o! diese kalte Einsamkeit, da ihrHerz heute zum crstenmale ohne ein Herz lebte; denn ihr Bru-der, der Chorist ihres kurzen Frcudcngesanges, war verschicktund Julienne seit einiger Zeit ihr unbegreiflich unsichtbar —nein, sie konnte die schöne Sonne, die so hell und weiß mitihrem hohen Abcndstcrnc sich tiefer wiegte, nicht nicdcrgchensehen — oder das frohe Abendchor des langen Tages anhören,sondern verließ die glänzende Höhe. O, die fremde Freudestirbt im unbewohnten dunkeln Busen, wo sie keine Schwesterantrifft, und wird zum Gespenst darin! So deutet das schöneGrün, diese Frühlingsfarbc, sobald cs eine Wolke malt, nichtsan als lange Nässe.
Da sic bald in die Freistatt des Tags, das Schlafzimmer,trat, wetterleuchtete draußen der Himmel; o, warum jetzt, har-tes Geschick? — Aber hier, vor dem Stillleben der Nacht,wenn das Leben von ihrem Flor bezogen leiser tönt — hierdürfen alle ihre Thränen fließen, die ein schwerer Tag gekel-tert hat. — Aus dem Kopfkissen, als trüg' cs den längstenSchlaf, ruhet dieses verblutete Haupt sanfter als an der Brust,die ihm seine Thränen zankend nachzählt; und cs weinet sanftnicht über, nur um Geliebte.
Wie gewöhnlich wollte sic ihre mütterlichen Gebete auf-schlagen; als sie erschrocken daran dachte, daß man sie ihr ge-nommen. Da blickte sic heißweinend auf zu Gott und berei-tete allein ans dem zerbrochnen Herzen ihm ein Gebet, undnur Engel haben die Worte und die Thränen gezählt.