136
Schießhäuschcns), um ihn unbemerkt au die unvorbereiteteFreundin zu führen, die im Fenster, mit dem glänzenden Augeam HcsperuS, sinnend lag und an die vollen glühenden Herbst-blumen dachte, welche nun in ihrem Leben so spät und so naheneben der längsten Nacht aufgingen. Sie war heute überManches trübe. Sic hatte überhaupt bisher ihre Liebe mehrzu verdienen und zu rechtfertigen als zu genießen und zu ver-größern, und mehr mit ihr das fremde Herz als das eigne zubeglücken gesucht. Wie sehnte sic sich unbeschreiblich nach Tha-ten für Ihn — nur Opfer waren ihr Thatcn — und benei-dete ordentlich ihre Freundin, die für Karl jedesmal doch ein— Getränk zu bereiten hatte! Da sic nichts weiter wußte,so drückte sic ihren Diensteifer durch größere töchtcrlichc Liebeund Annäherung gegen Albano's Eltern und Schwester aus;und lernte sogar ein wenig kochen, welches ihr andere Mi-nisters-Töchter, die nichts machen als Sallat und Thee, mitNachsicht und mit dem Gedanken verzeihen müssen, daß sie inLiancns Falle auch nichts Anders machen würden, sondern eherein Gericht mehr. Ja, sic hielt Nabcttc für tugendhafter, weildiese mehr in die Breite und Länge thätigcr sehn konnte; Na-bettc hielt wieder Lianen für besser, weil sie lieber betete; denähnlichen Jrrthnm verdoppelten sic über die Brüder, Nabcttenkam Karl sanfter vor und Lianen Albano, beiden nach Schlüs-M ans ihren gegenseitigen Berichten.
So lang' ein Weib liebt, liebt cs in Einem fort — einMann hat dazwischen zu thnn—; Liane verwandelte Alles insein Bild und seinen Nahmen; dieser Berg, dieses Stübchen,diese für ihn einmal gefährliche Vogelstangc, wurden die Pastcll-stiste zu icinem festen Bilde. Sic kam immer darauf zurück,daß er etwas Besseres verdiene als sie; denn die Liebe ist De-