„heute meine Schwäche und Weichheit nach; cs kommt von„gestern." — „Ich — Ihnen?" sagt' er heftig; denn er, umwelchen in Krankheiten nur brennende Bilder stürmten, wurdezur Verehrung eines Wesens begeistert, zu welchem gleichsamaus einer höhcrn Welt in seinen Schmerzen wie goldnc Son-ncnstralcn leise Töne reichen, die verhüllt durch die rauhe Tiefegehen.
Aber Liane, wie um sein Feuer abznwcnden, kam ans ihreFreundin Karoline und sagte: wie sie ihr an solchen Tagenund zumal aus diesem Spaziergänge immer vorschwcbc. „An-fangs sucht' ich sic aus (sagte Liane), weil sic meiner Linda„glich. Sie war meine Lehrerin, ob sic gleich nur einige„Wochen älter war als ich. Ihr frommer, strenger, uncr-„schrockncr Charakter und ihre Willigkeit, sich freudig und stumm„aufzuopsern, machte sie sogar, wenn ich es so sagen darf, in„den Augen ihrer Mutter verchrungswürdig. Man sah sie„niemals weinen, so weich sie auch war, blos um ihre Mutter„immer heiter zu machen. Wir wollten miteinander den Schleier„nehmen, um beisammen zu bleiben; ich wurde nicht alt wer-„den, sagte sie, und ich müßte mein kurzes Leben froh und„ohne Sorgen, aber auch in Zubereitung auf das andere ver-bringen. Ach sic ging selber voran! Die Nachtwachen am„Krankenbette ihrer Mutter und der Schmerz über den Tod„nahmen sie dahin. Sic empfing das heilige Nachtmahl, auf„das wir uns miteinander znbcrcitctcn, im Sterben allein.—„Da gab mir der Engel diesen Schleier, worin ich ihr einst„folgen soll. — O, gute, gute Karoline!" — Sie weinte un-verhohlen und drückte bewegt Albano's Hand. „O ich hätte„nicht davon ansangcn sollen! — Dort kommt schon unser„Freund; wir wollen recht heiter seyn." —