Druckschrift 
14 (1848) Flegeljahre : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
331
Einzelbild herunterladen
 

331

melskörpcr auf Erden, bei deren täglichen und jährlichen Abcr-razioncn und Nutazionen man nichts machen kann, als blosden guten Zach dabei, nämlich die Zachischcn Tafeln davon.Eben so hättest Du Dich auch sonst hintcrgangcn, wenn DuDir geschmeichelt hättest, ich würde Dich sonderlich ausbildenund ausprägcn mit meinem Münzkopf. Ich lasse Dich, wieDu warst, und gehe, wie ich kam. Auch Du hast mich nichtmerklich umgemünzt, so daß ich leicht schließe, Du bist derso wahren Meinung, cs sei im Geistcrrcich, so wie imKörpcrrcich' man trage das Fuhrmannshcmde sowol ansRcdouten als auf Chausseen-das Spurfahrcn verderblich.

Morgen bin ich in die freie Welt hinausgezogcn. Dernahe Frühling ruft mich schon ins weite Helle Leben. Spiel-geld, das meine Schulden bezahlt, liegt bei; und somitguten Tag. Fällt und klagt mich jemand an, Bruder, so ver-ficht mich nicht; wahrlich, sobald man mich haßt, so frag' ichwenig darnach, ob man mich um drei Stufen stärker hasseoder nicht; und wie viele Menschen verdienen cs denn über-haupt, daß man sich von ihnen lieben leistet? Mich aus-genommen nicht zwei, und kaum.

Wir beide waren uns einander ganz anfgethan, so wiezngcthan ohnehin; uns so durchsichtig, wie eine GlaSthür;aber, Bruder, vergebens schreibe ich außen ans Glas meinenCharakter mit leserlichen Charakteren: Du kannst doch innen,weil sic umgekehrt erscheinen, nichts lesen und sehen, als dasUmgekehrte. Und so bekommt die ganze Welt fast immer sehr-lesbare, aber umgekehrte Schrift zu lesen.

Wozu sollen wir denn mit einander und von einanderPlagen haben? Du, als liebender Dichter, als dichtenderLiebhaber, hältst Deine künftigen so leicht aus, als ein Vogel