Druckschrift 
14 (1848) Flegeljahre : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

drehte er sich halb gegen sie, sang ihr leise diese Zeile, die erabsichtlich zu diesem Gebrauche komponirt, ins treuherzigeAngesicht, und Mn schwarzes Auge stand im langen Blitzeder Liebe. Da sie schwieg und stärker eilte: so nahm er ihreHand, die sie ihm ließ, und sagte:Wina, Ihr schönes Herzerräth mich, Ihnen will ich anders, ja, wenn's nicht zu stolzist, ähnlicher erscheinen als der Menge. Ich habe nichts alsmein Herz und mein Leben; aber beides sei der Besten ge-weiht."Dort, Guter!" sagte sie leise, zog ihn eiligeran die Stelle, wo sie spielen wollten; dann stand sie still,nahm auch seine andre Hand, hob die Augen voll? unendlicherLiebe zu ihm empor, und aus ihrem reinen Angesicht standenalle Gedanken klar, wie Helle Thantropfen auf einer Blume.Guter Jüngliug, ich biu so ausrichtig als Sie, bei diesemheiligen Himmel über uns versichere ich Sie, ich würd' esIhnen offen und froh gestehen, wenn ich Sic liebte, in demSinne, worin Sie es wahrscheinlich meinen. Wahrlich, ichthät' cs kühn aus Liebe gegen Sie. Schon jetzt schmerzenSie mich. Sie haben meinen Morgen gestört, und meineRaphaela wird mich nicht froh genug finden."

Vult zog, schon ehe sie die letzten Worte sagte, die Flö-tcnstücke heraus, setzte sie zusammen, und gab, nur einen Blickhinwerfend, ein stummes Zeichen anzufangen. Sie begannmit erstickter Stimme, eine kurze Zeit darauf mehr torte, aberbald ordentlich.

Walt durchschnitt den Hauptgang unten hin und her,um beiden nachzublickcn, bis sie ihm ferne in den Mondschim-mcr wie zergingen. Endlich hörte er den wunderbaren Gruß-Gesang an die Schlafende, seine eigenen Worte, aus derDämmer-Ferne, und sein Herz in eine fremde Brust versetzt,