Druckschrift 
14 (1848) Flegeljahre : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
196
Einzelbild herunterladen
 

196

Ton, der vier Fuß lang war, höflich mit dem Hut in derHand ins Zimmer. Es kam nämlich der Rcisediener desKauf-Hcrrns in Marseille, bei welchem Flitte lange gewesen,und präsentirte ihm einen fälligen Wechsel, den er auf sichausgestellt.

Flitte verlor die Farben, die er Raphaelen geliehen, undverstummte ein wenig, und wurde wieder reich an rother.Endlich fragte er den Rcisediener:warum er so spät amVerfalltage komme? Jetzt Hab' er eben nichts." Der Dienerlächelte und sagte, er habe ihn vergeblich gesucht zu seinemVerdrussc, denn er müsse jede Minute fort, sobald er dieValuta habe. Flitte zog ihn aus dem Zimmer auf Ein Wort;aber fast noch unter dem Worte trat der Fremde wieder mitgezuckten Achseln ein und sagte:entweder oder; inHaslau gilt das sächsische Wcchselrecht." Lieber fuhr Flittein die Hölle, welche wenigstens gesellig ist, als in die Einsie-delei des Kerkers; dennoch lies er ohne eine sanfte Miene ansund ab und murmelte fluchende Angriffe; endlich sagt' erfranzösisch Raphaelen etwas ins Ohr. Diese bat den Ncisc-diener so lange um Geduld, bis eine Antwort aus ein Blätt-chen von ihr zurück sei; es war eine Bitte an ihren Vaterum Geld oder Bürgschaft.

Flitte setzte sich wieder zum Malen mit jener Folie desStolzes nieder, wovon der Diener eigentlich den Juwel be-saß. Walt jammerte leise und flatterte so ängstlich um denBauer, als Flitte in demselben, und folgte jedem Umhcrschie-ßen deS cingckerkcrtcn Vogels außen am Gitter nach. Vnltbeobachtete scharf den gewandten Diener:sollt' ich Sic nicht,sagt' er, in der Gegend von Spolletto schon gesehen haben,wovon die alten Römer, wie bekannt, die Opfer-Thiere her-