hinzu: „in diesem Lichte steht ein armes Mädchen bei dir?Und dein eigner Bruder dazu?" lief fort — sagte wild wei-nend: „gute Nacht; aber bei Gott, ich weiß nicht, was ichdazu sagen soll" — und ließ keiner Antwort Zeit. Vultärgerte sich fast über den unvermutheten Zorn.
„Ich, ich? — wiederholte Walt auf der Gasse innigst-vcrlctzt — ich hätte mich versündigen sollen an einem Tage,wo mir Gott den rührendsten Rciseabcnd bcschccrtc, unddie fromme Wina mir so nahe lebte? — Das wolle Gottnicht!" —
Als er aber in sein Stübchen trat: überflog ihn eineganz besondere Seligkeit und zehrte den Schmerz aus: — eineneue Empfindung wird an einem alten Orte lebendiger; —es war Wina's guter Blick unter dem Wasserfalle, der jetztein ganzes Leben wie ein Morgenlicht golden übcrstraltc undalle Thaublumcn darin blitzen ließ. Vieles um ihn war ihmnunmehr zu eigen geworden, so wie neu: der Park unten, indessen Gängen er sie einmal gesehen, und Raphaela im Hause,die ihre Freundin war, gehörten unter die Habseligkeitcn seinerBrust. Selber seinen eignen Roman Hoppelpoppel kannte erkaum mehr, auf so neue Gemälde des liebenden Herzens stießer jetzt darin, von denen er erst diesen Abend recht faßte, waser neulich etwa damit haben wollen; nie fand ein Autor einenglcichtönigcr gestimmten Leser als er heute. Er bauete sichsogleich ein zartes Bilderkabinct für die Gemälde von denAuftritten, die Wina vermnthlich diesen Abend haben könnte;z. B. im Schauspielhause, oder in den Leipziger Gärten, oderin einer gewählten Gesellschaft mit Musik. Darauf setzte ersich hin und beschrieb es sich mit Fcucrsarbcn, wie ihr etwaheute sei in Glucks Iphigenie auf Tauris; dann machte er