Welt sonderbar still um sich; nur das Geläute klang alleinund leise wie Schalmeien der Kindheit, und er wurde sehrbewegt. Er lief wieder und sang immer heißer: „nasses Auge,armes Herz, siehst du nicht den Himmel und den Lenz unddas schöne Leben? Warum weinest du? Hast du was verlo-ren, ist dir wer gestorben? Ach ich habe nichts verloren, mirist nichts gestorben; denn ich habe noch nicht je geliebt, olass' mich weiter weinen!"
Zuletzt sang er nur einzelne Füße noch, ohne besondcrnZusammenhang — er kam eiliger durch Beete — durch grüneThäler — über klare Bäche — durch mittagsstille Dörfer
— vor ruhendem Arbeitszeug vorbei — aus dem Zaubcrkreis
der Höhen stand Zauberrauch — der Sturmwind war ent-flohen, und am klaren Himmel blieb das große unendlicheBlaue zurück — Vergangenheit und Zukunft brannten hellund nahe, entzündet von der Gegenwart — der Blumenkelchdes Lebens umschloß ihn bunt-dämmernd, und wiegte ihnleise — und Paus Stunde ging an.-
„Jetzt ergriff mich — schreibt er in seinem Tagebuchs
— Pans Stunde, wie allemal aus meinen Reisen. Ich möchtewol wißen, woher sie diese Gewalt bekommt. Nach meinerMeinung dauert sie von 11 und 12 bis 1 Uhr; daher glau-ben die Griechen an die Pans-, das Volk an die Tags-Gei-sterstunde, auch die Russen*). Die Vögel schweigen um dieseZeit. Die Menschen schlafen neben ihrem Arbeitszeug. Inder ganzen Natur ist etwas Heimliches, ja Unheimliches, alswenn die Träume der Mittagsschläfer umherschlichen. In
*) Wenden und Nüssen nehmen eine, Glieder raubende, MittagS-Teufelin an. Lausitz. Monatsschrift 1797. 12. Stück.