61
und träumte — da er von dem Bergrücken bald links in dieHirtenstücken der Wiesen hinunter sah und zu den Kirchthür-mcn von Altcngrün — von Joditz — von Thalhausen —von Wilhclmslust — von Kirchensclda — und die Jagd-und Lustschlösser erblickte, deren beide Namen allein, wieromantische Zauberworte, alte Gegenden und Paradiese derKinderseele erscheinen ließen — da er bald wieder rechts hin-unter schauete auf die zweite Ebene, worin sich der geradeFluß seines Thales, die Rosana, frei geworden auf einemblumigen Tanzplatz schlängelte und das Silber-Schild derSonne trug und immer zeigte —- und da er das Auge aufdie Lindenstädtcr Gebirge warf, wo unter den hohen HellenLaubholzwäldern die dunklen Tannen - Waldungen gleichsamnur als breite Schlagschatten zu stehen schienen — und daer in den Himmel sah, worin still und leicht die Wolke unddie Taube flog — und da in den Wäldern des Thals dieHcrbstvögel schrien, und in den Steinbrüchcn einzelne Schüsselang sorthalletcn: so schwieg er wie ans Andacht vor Gott,und dachte dem, was er singen wollte, nach, als ob der Un-endliche nicht auch das Denken höre; bis er mit leiser Stimmeden Strcckvers sang und wiederholte, den er schon längstgemacht:
O wie ist der Himmel, wie die Erde so voll freudigerStimmen! Viel schöner als dort, wo einstens der Choruslaut jammerte, und nur Niobe schwieg und unter dem Schleierstand mit dem unendlichen Weh, jauchzen die Chöre im Him-mel und auf Erden, und nur der Allscligc ist still, und derActhcr verschleiert ihn.
Darauf sah er gen Himmel, nannte Gott zweimal duund schwieg lange; und hielt cs für erlaubt, sogleich an