Skelet der vertrockneten bunten Zeit wie ein Zauber an. „Indem nahen Wandschrank hängt — sagt' er zn sich — Wina'shimmelblaues Kleid, denk' ich." Wie aus einer sanftwallcndcnWolke saß er, und schrieb oft eine briefliche Wendung ab,die sich sür seine Lage sehr gnt schickte. Es wiegt' ihn aufund nieder, daß er sich doch mit Ihr, mit derjenigen in EinerZimmer-Ebene, unter Einem Dache befand, mit welcher erdas Trauerband derselben Schmerzen trug und die ihm nachdem Untergang der Freundschasts-Sonne als stiller Liebes-Hesperus sortschimmerte.
Er kopirte mit gespitzten Ohren, weil er (nicht ohne alleHoffnung) in der Furcht da saß, daß Wina gar ins Kabinetnnd an einen oder den andern Sckrctair fliege, den hölzernenoder den lebendigen. Jndcß kam nichts. Er überlegte sehr,ob er nicht in den Wandschrank cinbrechen und das himmel-blaue Kleid als den blauen Aethcr der fernen Sonne leichtanrühren sollte mit Hand oder mit Mund — als der Generaleintrat, ihn erschreckte und das Kopircn pries und schloß.
So glücklich ging die Schrcibstuudc und die Gefahr,Wina zu scheu, vorüber, und er wankte heim mit einemKopfe, der sich ein wenig im Herzen vollgetrunkcn hatte.
Aus den Thurmknöpfen und Park-Gipfeln lag nochsüßes rothes Sonnenlicht und weckte zugleich das Sehnen undHoffen der Menschen in und außer Haslau.
Er kopirte den zweiten Tag, stets mit derselben Angst,daß Wina die Thüre aufmache. Der dritte aber — wo wie-der nichts kam — machte ihn, wie jeden Krieger die Zeit, somuthig und so zum Mann am vierten, daß er in der Thatsich sehnte nach Gefahr. Ganze Nächte mußte jetzt das frommeMädchen vor seiner Seele stehen — er hatte dabei seinen ewi-