Druckschrift 
13 (1848) Flegeljahre : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

279

scheere dich nichts um mein dummes Gelächter über etwasanders, ick) bin doch ernsthaft den du sonach in Bildungs-Bezug für einen Raphael hältst und dich für einen Tcniers,wie wollet ihr zwei Figuren euch denn auf Einer Leinwandpaaren?"

Walt schwieg verwundet, weil er sich gar nicht für einenTenicrs, sondern eher für einen Pctrarka ansah. Aber Vultdrang heftig auf das Bindemittel, das der Bruder sich zutraue.

Ich glaubte dadurch, sagt' er leise demüthig, wenn,ichihn recht liebte." Vult wurde etwas bewegt, blieb aber un-erbittlich und sagte:um dir aber zuzutrauen, daß du deineLiebe einem solchen Herrn zeigen könntest, mußt du dich, sobescheiden du auch thust, innerlich für einen zweiten Karpserhalten, ganz gewiß?"

Wer war dieser?" fragte Walt.

Balbieramtsmeister in Hamburg, wovon noch die Karp-serstraßc in der Stadt da ist, weil er darin wohnte; ein Mann,darf ich dir sagen, von so feinen Sitten, so voll belebterReden, so zauberisch, daß Fürsten und Grafen, die nach Ham-burg kamen, ihr erstes und größtes Vergnügen nicht im Pesti-lcnzhaus oder auf dem Dreckwall oder im Scheeleugang und inden Alster-Alleen suchten und fanden, sondern lediglich darin, daßunser Balbier zu Hause war und sie vorlassen wollte."

Der Notar, sich für einen versteckten Petrarka haltend,vermochte gar nicht, den Balbicramtsmeistcr so hoch über sichzu sehen; er sagte aber, erweicht durch einen ganzen Nachmit-tag, nichts als die Worte:wie glücklich ist ein Edelmann!Er kann doch lieben, wen er will. Und war' ich einer undein redlicher gemeiner Notar gäbe mir nur einige warme Zei-chen seiner Liebe und Treue: wahrlich ich würde sie bald ver-