163
thig wären." — „Und ich kann, versetzte Bult, es nicht er-dulden, wenn der englische Stolz, oder der irländische, oderder schottische, der sich sehr gut in Bücher-Darstellungen aus-nimmt, in der Wirklichkeit anstritt und pusthct. In Romanengefällt uns fremde Liebe und Stolzirerei und Empfindclei; —aber drüber hinaus schlecht."
„Nein, nein (sagte Walt), wie mir denn dein eigenerStolz gefallt. Wenn wir uns recht fragen, so erzürnt unsnie der Stolz selber, sondern nur sein Mangel an Grund— daher kann uns oft Demuth eben so gut quälen;— daherist unser Haß des Stolzes kein Neid gegen Vorzüge; dennindcß wir allzeit größere über uns anerkennen und nur er-stohlnc, vorgespiegelte hassen: so ist unser Haß nicht Liebegegen uns, sondern eine gegen die Gerechtigkeit." — „Siephilosophireu ja wie ein Graf, sagte Vult. Hier wohnt derGraf." Mit unsäglicher Freude sah Walt an die leuchtendenFenster-Reihen einer Garten-Villa hinauf, die der Gasse denglänzenden glücken zeigte, und in welche ein langer Gartendurch eine breite Vorhalle von Bäume-Ordnungen führte.Jetzt ließ Walt vor dem Bruder eine durstige Seele in alleihre Gedichte und Hoffnungen der Liebe ausbrechcn. DerFlötenspieler sagte (eine gewöhnliche Ergießung seines Zorns):„freilich in gewissen Stücken — indessen — zumal so — insofern ja freilich, o Himmel!" und fügte bei, seines schwachenBedrückens sei Klothar vielleicht nicht weit von dem entfernt,was man im gemeinen Sprachgebrauch einen Egoisten nennt.
Walt hielt es jetzt schon für Freundes Pflicht, den un-bekannten Grafen hierüber heftig zu beschützen, und berief sichauf dessen edle Physiognomie, die gewiß darum, vcrmuthete er,so trübe beschattet sei, weil er fruchtlos nach einer Sonne
11 *