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10 (1848) Titan : erster Band
Entstehung
Seite
269
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dort mit der. leuchtenden Goldkugel sei vielleicht am schönsten,besonders sür einen Freund der Musik; auch werde man sieda suchen, wenn man ihrer Mutter die Harse bringe." Siehatte ihr mit dieser zurückzukommen versprochen. Sie miedalle Steige nach Süden, wo der Tartarus hinter seinem hohenVorhänge drohte.

Liane sprach jetzt über den Wettstreit der Malerei undMusik und über Herders reizenden offiziellen Bericht von die-sem Streite; sie, wicwol eine Zeichnerin, ergab sich, dem weib-lichen und lyrischen Herzen gemäß, ganz den Tönen, und Al-bano, obwol ein guter Klavierist, mehr den Farben.Dieseherrliche Landschaft (sagte Albano) ist ja ein Gemälde undjede menschliche schöne Gestalt."Wär' ich blind (sagte Cha-riton naiv), so sah' ich ja meine schöne Liane nicht." Sicversetzte:mein Lehrer, der Kunstrath Fraischdörfcr, setzte auchdie Malerei über die Musik hinauf. Mir ist aber bei ihr,als hörte ich eine laute Vergangenheit oder eine lauteZukunst. Die Musik hat etwas Heiliges, sie kann nichtsals das Gute*) malen, verschieden von andern Künsten."Wahrlich, sie war selber eine moralische Kirchenmusik, dieEngelstimme in der Orgel; der reine Albano fühlte neben ihrdie Nothwendigkeit und das Daseyn einer noch zärtcrn Rein-heit, und ihm schien, als könne ein Mann diese Seele, derenVerstand fast nur ein feineres Fühlen war, verletzen, ohne esselber zu wissen, wie Fenstergläser von reiner Durchsichtigkeitoft zerstoßen werden, weil sic unsichtbar erscheinen. Er drehte

') Dieser Satz, daß die reine Musik ohne Tcrt nichts'Unmorali-sches darzustcllen vermöge, verdient von mir mehr untersuchtund ausgeführt zu werden.