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10 (1848) Titan : erster Band
Entstehung
Seite
212
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uns gefällig aufnahm, mit fester und kalter Haltung inMiene und Ton. Ihre streng-geschlossencir und wenig bczeich-neten Lippen thaten stumm einen Ernst, der die Gabe desfrommen Herzens, und eine Stille kund, die der Schmuck derSchönheit ist wie manche Flügel, nur wenn sic zngefaltetsind, Pfancnspiegel gießen und das Auge glänzte im Wohl-wollen der Vernunft; aber die Augcnlieder waren von hartenJahren tief nnd kränklich über die milden Blicke hcrcingezogen.Ach wie zwischen Neuvermählten oft ein Schwert trennend lag,so schliff Froulah täglich am dreischneidigen, das ihn und sieabsondertc. Sonderbar stach mit dem Hellen Nachsommcrtageauf ihrem Angesichte das unreine Gewühl aus seinem ab, wie-wol er vor Zeugen, wie cs schien, seiner Höflichkeit gegen siedie Ironie benahm, und den Haß, wie andre die Liebe, nurfür die Einsamkeit aushob.

Zum Glück verpflanzte sich dieser Nußbaum, der einenungesunden frostigen Nußschatten ans den ganzen Nclkenflorder Liebe und der Dichtkunst warf, bald unter ähnlichere Gästezurück. Die Ministerin richtete sich nach den ersten Gaben derGefälligkeit mehr an den Lektor, dessen korrekte bürgerlicheMensur zu ihrer religiösen ganz stimmte; besonders da nurer über Liane fragen und kondolircn konnte. Sic versetzte,dieses Zimmer Liancns sei gerade so gelassen, wie cs am Abendder Erblindung gewesen, damit es, wenn sie heile, eine schöneErinnerung für sic bleibe, oder eine traurige für andre, wennsie nicht genese. O bewegter Albano, wenn jede Abwesen-heit verklärt, wie muß es erst eine mit so vielen Spuren derGegenwart thun! Ich bekenne, außer einer Geliebten kenn' ichnichts schöneres als ihr Wohnzimmer in ihrer Abwesenheit.

Aus Linnens Arbeitstische lag ein umrissener Christnskops