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schwankten die Glocken bang verstummend aus — er trat vomHellen Frühling in den dunkeln Thurm zurück — er heftetedas Auge nur an die leere blaue Nacht vor ihm, in welchedie ferne Erde nichts heraufwarf als zuweilen einen verwehr-ten Schmetterling, eine vorbcikrcuzcnde Schwalbe und einevorüberwogcnde Taube — der blaue Schleier des Aethers *)flatterte tausendfach gefaltet über verhüllten Göttern in der Weite
— o dann, dann mustte das berückte Herz verlassen ausru-fen: ach, wo find' ich, wo find' ich in den weiten Räumen, indem kurzen Leben die Seelen, die ich ewig liebe und so innig?
— Ach, du Lieber, was wird denn schmerzlicher und längergesucht als ein Herz? Wenn der Mensch vor dem Meere undauf Gebirgen und vor Pyramiden und Ruinen und vor demUnglücke steht und sich erhebt, so strecket er die Arme nach dergroßen Freundschaft aus. — Und wenn ihn die Tonkunstund der Mond und der Frühling und die Frcudcnthränen sanftbewegen, so zergeht sein Herz, und er will die Liebe. — Undwer beide nie suchte, ist tausendmal ärmer, als wer beide ver-lor. —
Lasset uns jetzt in die Pfingstkirche treten, wo der tiefeStrom seiner Phantasie zum erstcnmale in seinem Leben über-trat und sein Herz weit fortriß und damit in einem neuenBette brausete; ein physisches Gewitter hatte sich in diesenStrom ergossen. Schon am Morgen stand der schwarze Pul-vcrthurm einer Gewitterwolke stumm neben der heißen Sonneund wurde an ihr glühend, und nur zuweilen entfiel einerfernen fremden Wolke unter dem Gottesdienste ein Schlag auf
*) Wie die Himmelskönigin, Juno, von den Alten immer blauverschleiert wird. Hagedorn über die Malerei.
Jean Paul'S ausgev. Werke. X. 10