125
schm Augcnhalter festgcmacht. Ueberhaupt haben Menschenmit einer liberalen Seele in einem schöngebautcn Körperschon ohne Falterle's Spalierwand und Scheere einen gefälli-gen Stand und Wuchs. Dabei hatte er den niedlichen freund-lichen Faltcrle mit jener heiligen ersten Menschenliebe,womit ein Kinderherz sich an alle Leute des Hauses und desDorfes anklammert, schon darum lieb, weil den Wiener eineDame um den Goldfinger, ja innen um den Goldring selberaufwickcln konnte, und weil er vom Ritter des goldnen Vlie-ßes wie von einem Könige sprach, und log, und weil er diegefälligste Haut war, die je über die Erde lief.
Da ich in meinen Biographien Duldung und eine viel-seitige Gerechtigkeit gegen alle Charaktere lehren will: so mußich hier mit meinem Muster der Toleranz vorangehen, indemich von Faltcrle bemerke, daß seine arme dünne Seele sichselber nicht unter den steinernen Gcsetztafeln der Etiqnette undunter dem hölzernen Joche eines imponircndcn Standes aus-znbringen vermochte. Wem that der arme Teufel etwas an?Nicht einmal Damen, für welche er zwar, gleich einem Kupfer-stecher, immer vor dem Spiegel arbeitete an seinem Ich, alleinnur um mit diesem Kunstwerke, gleich andern Fignristen, reineSchönheiten darzustellen, nicht aber solche zu verfuhren.Das Secwasser seines Lebens — denn er ist weder ein Mil-lionär, noch eben der größte Gelehrte des Säknls, ob er wolbei vielen Büchcrverleihern hernmgelcscn — süßet er sich durchdas Schönhcitswasscr ab, worin er sich stündlich badet. Ersäuft und fristet fast nichts; flucht und schwört er, so thut er'sin fremden Sprachen, wie der Päbstlcr darin betet, und schmei-chelt wenigen außer sich.
Der Eitle und noch mehr die Eitle hassen Eitle viel zu