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Es ist aber eine der ersten dramatischen Regeln, die uns Lessing,Aristoteles und griechische Muster geben, daß der Schauspiel-dichter jeder historischen Begebenheit, die er behandelt, allesleihen müsse, was der poetischen Täuschung zuschlägt, so wiedas Entgegengesetzte entziehen, und daß er Schönheit nie derWahrheit opfere, sondern umgekehrt. Voltaire gab, wie be-kannt, nicht nur die leichte Regel, sondern auch das schwereMuster, und dieser große Theaterdichter des Wcltthcatcrs bliebin seinen historischen Benefiz-Schauspielen von Peter undKarl nirgends bei der Wahrheit stehen, wo er gewiß sehnkonnte, er gelange eher zur Täuschung. Und das ist eigent-lich die ächte, dem historischen Romane entsprechende roman-tische Historie. Nicht ich, sondern Andere — nämlich derLchnprobst und die LcgazionSsckrctairc — können entschei-den, in wiefern ich eine wahre Geschichte illusorisch behandelthabe. Ein Unglück ist's, daß schwerlich je die ächte Geschichtemeines Helden zum Vorscheine kommt; sonst dürfte mir viel-leicht die Gerechtigkeit widerfahren, daß Kenner meine dichte-rischen Abweichungen von der Wahrheit mit der Wahrheitkonfrontirtcn und darnach leichter jedem von uns das Seinigcgäben, sowol der Wahrheit als mir. Allein auf diesen Lohnthun alle königliche Historiographen, skandalöse Chronikernolens rolens Verzicht, weil nie die wahre Historie zugleichmit ihrer erscheint. —
Aber unter dem Komponircn der Geschichte muß ein Au-tor auch darauf auslauscn, daß sie nicht nur keine wahre Per-sonen treffe und vcrrathe, sondern auch keine falsche und garniemand. Eh' ich z. B. für einen schlimmen Fürsten einenNamen wähle, sch' ich das genealogische Verzeichniß allerregierenden und regierten Häupter durch, um keinen Namen