Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

^ 11

Bis an den Hellen Morgen wälzte er sich so in demFeuerofen scincr Brunst. Nie sah er den Aufgang derSonne mit größerem Entzücken, als heute, da sie die solang ersehnte Schäftrstuude beleuchten sollte. Er that einenfreudigen Bogcnsprung aus dem Bette, und ließ seinenganzen Leichnam von der Fußsohle bis zum Scheitel einestrenge Musterung passircn. Wo er nur die häßliche Na-tur durch Kunst verschönern konnte, wandte er eisernenFleiß an. Der ganze Vormittag ward der Toilette ge-widmet. Jetzt schlug die Glocke zwölf, und ehe noch ihrTon ganz verhallte, erschien der adonisirte Pedant mitdem zierlichste» Kratzfuß, der je einem Schulmeister ge-glückt ist, vor der schönen Jägerin.

Ein kleiner Tisch, drei Svannen breit,

Stand schon zum Liebesschmauö bereit;

Hier mußte, zum VergnügenDeS GasteS, Knie an KmeUnd Fuß an Fuß sich schmiegen.

Verliebter, als jetzt er, mar nieEin barr'ger Mann der Ziegen.

Recht gcflissen vermehrte er noch die Feuersbrunst, diein seinen Adern wüthete, indem er mit geschäftiger HandOel des Weins hinein goß. Sie »ahm dadurch so über-hand, daß sie die Schranken der Bescheidenheit bis aufden Grund verzehrte. Der bisher platonische Liebhaberverwandelte sich in einen wollüstigen Faun, und mutheteseiner schönen Wirthin mit dürren Worten an, ein wenigMittagsruhe mit ihm auf dem Bette zu halten. Zu einerandern Zeit würde sie sehr barsch geantwortet haben; jetztaber verfuhr sie aus guten Gründen säuberlicher mit demalten Knaben. Sie suchte zwar ihren Mund von derÜberschwemmung seiner Küsse zu retten und entfloh seinen