Druckschrift 
15 (1849) Dr. Katzenbergers Badereise : nebst einer Auswahl verbesserter Werkchen
Entstehung
Seite
321
Einzelbild herunterladen
 

321

und weil es die dingende und die mordende Seele zugleichvergiftet. Und wenn eine öffentliche, uneigennützige, kriege-rische, dos eigne Leben absichtlich hingebende Hinrichtung einMeuchelmord ist: wie nennt dann Girtanner einen heimlichen,bezahlten, gefahrlosen Mord?"

Der Präsident fragte lächelnd:ob man das fremde Le-ben opfern darf? Ja, ich möchte vorerst wissen, ob nur daseigne wcgzugcbcn ist? Kann die Sittlichkeit ihre eigne Auf-hebung durch den Tod gebieten, und sich durch eine Handlungdas Mittel (was unstreitig das Leben ist) benehmen, sich znwiederholen? Denn der Glaube an ein zweites Leben kanndie unbedingten Moral-Mandata ohne Klausel für das erstenicht leutcrircn und rcsvrmiren. Wol ist Wagen des Lebenserlaubt, aber nur bei der Möglichkeit seiner Erhaltung, nichtbei der Gewißheit seines Verlustes."

Meiner Antwort sagt' ich thut es vielen Vor-schub, daß ich geradezu längnen kann, es habe noch irgendJemand sein Leben geopfert; denn da die Natur cs jedemohnehin abnimmt, so kann er nur Jahre und Tage hüigebcn,nicht aber das heilige, unschätzbare Leben selber; ja, er legtauf den Opfcraltar eine Gabe von einem ihm unbekanntenGewicht, vielleicht ein Jahrzchcnd, vielleicht eine Stunde. Undwird denn nicht alles rechte geistige Leben eine vergiftete Ho-stie für das körperliche? Ist nicht sogar jeder Schacht undjede Handwerkstnbe ein Wclkbodcn und Darrofen des Körpers,jo daß nur das Thier-Leben die rechte und längste Spinnschulefür die Parze Lachesis bliebe? Am Ende hätte man, nacheiner solchen philosophischen Heil-Lehre, die hypochondrischeBerechnung über die Einbuße einiger Lebcnsstnndcn bei je-dem einzelnen kleinen Opfer für den andern dnrchznmachcn,Jean Paiil's ausgew. Werke. XV. 2^