haltsam durch das stumme Trauergefolge der Vergangenheithindurch geführt, durch die morsche Wescnkette, durch dasSchlachtfeld der Geister. Da er so vor allen ciugeäschertcuGeschwistern seines Herzens vorbeiging, in deren Angesichtnoch die zerrissenen Hoffnungen einer Vergeltung standen —und vor den armen Kindern mit glatten Rosenwangen, undmit dem erstarrten ersten Lächeln, und vor tausend Muttern,mit den eingcsargtcn Säuglingen ans dem Arm -— und da er-sah die stummen Weisen aller Völker, mit der erloschenen Seeleund mit dem erloschenen Licht der Wahrheit, die unter demüber sie geworfenen Lcichentnchc verstummt, wie Singvögel,wenn wir ihr Gehäuse mit einer Hülle verfinstern — und daer sah die versteinerten Leidtragenden des Lebens, die unzäh-ligen, welche gelitten, bis sie starben, und die andern, die einkurzes Entsetzen zerriß — und da er sah die Angesichte derer,die vor Freude gestorben waren, und denen noch die tödtlicheFrcudcnthräne hart im Auge hing — und da er sah alleFrommen der Erde stehen mit den eingedrückten Herzen, worinkein Himmel und kein Gott und Gewissen mehr wohnte —und da er sah wieder eine Welt hernntersallcn, und ihre Klag-stimmcn vorüber weheten: „o! wie vergeblich, wie so nichtigist der Jammer und der Kampf und die Wahrheit und dieTugend des Lebens gewesen!" — und da endlich sein Vatermit der eisernen Kugel erschien, welche die Leichen des Welt-meers einsenkt, und da er aus dem weißen Augenliede eineBlutzähre drückte: so ries sein zu kaltem Grimm gerinnendesHerz: „Gestalt aus der Hölle, zertritt mich nur bald; dasVernichten ist ewig, cs leben nur Sterbende und Du. — Leb'ich noch, Gestalt?"
Die Gestalt trieb ihn sanft an den Rand des immer