80
von einer Pränumerantcnwerbung für einen Band poetischerVersuche, sammt einigen bcigclcgtcn, dieser Schreck fuhr ihmbei jedem neuen Briefquadcr in die Glieder. — Znm Unglückaber war in dem sein geöffneten Bricftcstamcnt dicscsmal eineherrliche Erbschaft von den wichtigsten, mit kleinster Schriftgeschriebenen Bemerkungen über alle seine Werke, und zwarvon Do. Semmelmann, fürstlichem Leibarzt in Maulbronn.Ans der Stelle versiegelte er entzückt das Paquet und legt' esauf den alten Platz zurück, um eine Viertelstunde darauf vordem Posthaltcr sich anznstcllen, als sah' er eben ein an sichadressirtes Briefschreibcn, das er sofort auslösen und bezahlenwolle.
Aber der kurzstirnige Posthaltcr gab's durchaus nichther, „er halt' cs als Posthalter postscst, sagte er, bis auf dieStazion, und da könn' cs der Herr selber holen, wenn erkeine postränbcrische Absichten habe, was ein Posthalter nichtriechen könne." Nie bereute Katzcnbcrger seine Ehrlichkeitaufrichtiger, als diesesmal; aber in die dicke Kurzstirn warkein Licht und kein Blitz, kaum ein Donnerkeil zu treiben: undKatzcnbcrger hatte von seinen Wünschen nichts weiter, als daßder Posthalter, über ein so' unsinniges Ansinnen erbittert, ihmdie Zeche verdoppelt anschrieb, und er selber zwischen Fortrciscnnach Maulbronn und zwischen Umkchrcn, dem Scmmelmanni-schcn Paqncte hintcnnach, ins Schwanken gerieth.
Im Ganzen bewahrte Katzcnbcrger sich durch eiucn ge-wissen Egoismus vor allem Nepotismus. Eigentlich ist jedeMenschenliebe, sobald sie ans besonderes Beglücken, nicht aufruhiges Liebhabcn anderer ausgeht, vom Nepotismus wenigunterschieden, da alle Menschen ja, pon Adam her. Verwandtesind. Daher auch Männer in hohen Posten den Schein eines