515
und prächtigen Spiegeln verziert, für einen Fürsten zum Em-pfange seiner Braut geschmückt zu sein schien.
Der glänzende Anzug der Bewohnerin entsprach dem ge-schmackvollen Zimmer, das sie einnahm, und hatte etwas vonder morgenländifchen Tracht, welche die vielbewunderte Roxe-lane damals in die Mode gebracht hatte. — Ein schlankerFuß und Knöchel, der aus den weiten Beinkleidern von reichverziertem und gesticktem blauen Atlas hervorschien, war dereinzige, deutlich sichtbare Theil ihrer Person; das Uebrigewar, vom Kopf bis zu den Füßen, in einem langen Schleiervon Silbergaze gehüllt, der, gleich einem leichten Nebel übereiner schönen Landschaft, bemerken ließ, daß, was er verbarg,wunderbar lieblich wäre, jedoch die Einbildungskraft die ver-deckten Reize noch zu erhöhen veranlaßte. Der ganze Anzugverriet- wenigstens Coquetterie von Seiten der Schönen, dieeinen vornehmen Besuch erwartet haben mußte, und bewogBuckingham insgeheim über Christians Beschreibung von derhöchsten Einfachheit und Sittsamkcit seiner Nichte zu lächeln.
Er näherte sich der Dame en csvslier, und redete sie mitder Miene des Bewußtseins an, seine Beleidigungen durchdie Herablassung, womit er sie eingestand, hinlänglich zu ent-schuldigen. „Holde Alerie," sagte er, „ich bin mir bewußt,wie sehr ich wegen des mißverstandenen Eifers meiner Dienst-boten um Verzeihung bitten sollte, die, da sie Euch währendeines unglücklichen Gefechts verlassen, und ohne Schutz sahen,es auf sich nahmen, Euch unter das Obdach eines Mannes zubringen, der eher sein Leben preisgeben, als Euch einen Au-genblick in Unruhe lassen würde. War es meine Schuld, daßmeine Leute es nothwendig fanden, sich Eurer Erhaltung an-zunehmen, oder daß sie, überzeugt von dem Antheil, den ichan Euch nehmen müßte, Euch hier zurückgehalten haben, bis
33 "