Allein, was für Vorurtheile auch immer der Ritter liegendie Form der Religion seines Nachbarn hegen mochte, siehatten doch keincsweges Einfluß auf seine Gefühle für ihn,als einen schwer bedrängten Leidenden. Die Art, wie er seinMitleiden bewies, war etwas sonderbar, aber ganz genaudem Charakter beider, und dem Fuß, auf dem sie gegen ein-ander standen, angemessen.
Einen Morgen nach dem andern machte der BaronetMoultrassie-Hall zum Ziel seines Spaziergangs oder Ritts,und sprach ein freundliches Wort, wenn er vorbeikam. Bis-weilen trat er in das öde Besuchzimmer, wo der Hausherrin einsamer Betrübniß und Verzweiflung saß; aber häufiger(denn Peveril besaß keine besondere Gabe der Unterhaltung)ruhte er auf der Terrasse, hielt mit seinem Pferde am Gitter-fenster, und ries laut zu dem trübsinnigen Bewohner hinein:„Wie geht es mit Euch, Herr Bridgenorth? (Der Ritterwollte nie den militärischen Rang seines Nachbarn als Majoranerkennen.) Ich sah eben herein, Euch guten Muth einzu-sprechen und Euch zu sagen, daß Julian wohl ist, und Aleriewohl ist, und Alle auf dem Schloß Martindale sich wohl be-finden."
Ein tiefer Seufzer, manchmal mit dem Zusatz: „Ich dankeEuch, edler Ritter; meine schuldige Danksagung der LadyPeveril," war gewöhnlich Bridgenorths einzige Antwort. Aberdie Nachricht wurde von der einen Seite mit derselben Güteempfangen, mit der sie von der andern gegeben war; siewurde allmählig weniger schmerzhaft, und erregte mehr Theil-nahme, das Gitterfenster war nie zugcmacht, auch war derlederne Armstuhl, zunächst an demselben, nie leer, wenn dieglückliche Stunde von Peveril's kurzem Besuch nahte. — End-lich ward die Erwartung der flüchtigen Minute die Angel,