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Goethe an Kestnev.
v. 2. May 178T
Ick habe mein guter Kestncr, den Brief de» mireuer junger Mann ' bringen sollte durch die Post erhaltenund werde ihn also später zu sehen kriegen. Es mustnach Eurer Beschreibung ein interessanter Mensch seyn.Das Trauerspiel ist nicht unverständig, cö läßt einengewissen Geist im Verfaßer vermuthen, hingegen ist aucknichts neues, eigenthümlichcs drinne, und mir wenigstensscheint keine dichterische Ader durchzufliesen.
Für eure Langmuth alter und neuerer Zeiten dankeich Euch, und für Euer gut Betragen gegen mich. Ichhabe in meinem Leben viele tolle Streiche angcfangen,sie kosten mich aber auch etwas. Sehr angenehm warmir Euer Brief eben zu dieser Zeit. Ich habe inruhigen Stunden meinen Wcrther wieder vorgcnommen,
' v. Namdohr, früher in hannövcr'schen, später in preußischenDiensten, zuletzt Gesandter in Neapel. Vielseitiger Schriftsteller;auch Vers, eines Trauerspiels, wovon hier die Rede ist.
Kestner. Goethe und Weither. " 17