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Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
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Frau ist ein sehr hübsches, sanftes, gutes Geschöpf;aber nicht das Leben in ihr, was ihr da beygelcgt wird ;sie war auch zu der kleinen Untreue nicht einmalfähig, und auch sie betrug sich viel Ungezogener gegenJerusalem, der sie freylich sehr liebte, aber doch im be-leidigten Ehrgeiz, mehr als in der unglücklichen Liebeden Grund zu seinem letzten Entschliche fand. Er be-redete sich aber vielleicht selbst, daß das Letzte die Haupt-ursache sey, und die letzte Veranlassung ist die Liebe selbstgewiß gewesen. Es ist zwar wieder wahr daß ich ihm diePistolen dazu hergeliehen. Aber daß er sie dazu miß-brauchen würde, ließ ich mir nicht einmal träumen. Ichkannte ihn nur wenig, und meine Frau noch weniger;denn er entfernte sich die mehrste Zeit von den Men-schen. Ich wußte von seinen Grundsätzen nichts; undvon seiner Liebes-Geschichte nur, was das I'ulüioui»wußte; das war nicht viel. Er war nur zwey Mal beymir gewesen, und bch dieser Gelegenheit hatte er viel-leicht die Pistolen bey meiner Cammcrthür hängen sehen.Er schrieb mir das eingerückte Billct würklich, und ausHöflichkeit schickte ich ihm die Pistolen, ohne Bedenken.Sie waren nicht geladen; ich hatte nie damit geschossen. Er war ein guter melancholischer Junge; aber daShätte sich niemand von ihm träumen lassen; cs hat esmir auch niemand verdacht.

Diese Jerusalemische Geschichte, die ich möglichst