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schöner, daß Goethe, die unwahrscheinliche Wahrheitzurücklassend, ein Anderes erfinden mußte, damit dieDichtung als Wahrheit erscheine. Wie räthsclhast könnendie Grenzen deS Guten und Schönen sich in einanderverschlingen! Der Dichter mußte von der moralischenHöhe herabstcigen, um sich auf dem poetischen Gipfelzu befinden, der ihn zum höchsten Dichterruhme geführthat. Der Gegenstand seiner Liebe wurde in seinemGedichte durch die Idee verherrlicht, daß ohne den Besitzder Geliebten zu leben unmöglich sei. Er aber war zugroß, um in der Verzweiflung unterzugehcn; auö seinemCharakter konnte die zügellose Scene nicht entwickelt wer-den, die den Entschluß zum Selbstmorde im Wertster zurReise brachte, daher mußte er die Züge, welche demRomane, wie er gedacht war, die Entwickelung ver-liehen, aus einem minder starken Manne borgen. DasFaktische hierzu, wie das Studium zu einem Gemälde,hat Kestner in seiner Skizze von Jerusalems Tode ihmin die Hand gearbeitet. Manche Stellen dieses Aufsatzesfinden wir wörtlich im Werther. Mit Goethen mußtenauch Lotte und ihr Gemahl, in ihren erborgten Ge-stalten, dem Roman zu Gunsten tiefer gestellt werden.Hätte Werthers Lotte nicht in der Entwicklungsscenegegen den Albert gefehlt, worauf sie Werther von sichwies, das Motiv zum Selbstmorde würde gefehlt haben,lind hätte das Schicksal, minder grausam, den Werther